Ökologisches Know-How: Biotopkartierung

Die Biotopkartierung ist eine Methode, mit der Lebensräume in einem bestimmten Gebiet erfasst und in ihrer Bedeutung für den Naturhaushalt bewertet werden können. Meist wird eine Biotopkartierung im Auftrag von Behörden und unter Nutzung von Geoinformationssystemen (GIS) durchgeführt. Ziel ist es, den Bestand der Landschaft nach relevanten Gesichtspunkten aufzunehmen, um Veränderungen der Landschaft nachzuweisen oder Eingriffe in selbige, auch unter Naturschutzaspekten, zu planen.

Grundlegend für die Biotopkartierung ist die Vorgehensweise bei der Abgrenzung von Biotopflächen, Kenntnis über Mindestflächengrößen, entsprechende Nummerierung und der Umgang mit Geländekartierungsbögen. Die folgenden Hinweise zu diesen Aspekten basieren auf einer Biotopkartierungsanleitung vom Landesumweltamt Brandenburg, die für Berlin modifiziert wurde.

 

Das Biotop

Ein Biotop bezeichnet die Gesamtheit aller abiotischen Umweltfaktoren und somit einen Lebensraum. Im Sinne der Biotopkartierung wird der Begriff jedoch weiter spezialisiert und bezieht sich auf eine abgrenzbare Fläche mit einheitlicher Vegetations- und Nutzungsstruktur.

Bei der Kartierung werden Biotopflächen abgegrenzt und jeweils einem Berliner Biotoptypen zugeordnet. Diese Biotoptypen sind in der Berliner Biotoptypenliste zusammengefasst und bilden die Grundlage der Biotoperfassung. Auch werden Biotope als Flächen mit bestimmter Mindestgröße erfasst, wobei, je nach Aufgabenstellung, bei der Geländekartierung Maßstäbe von 1 : 500 bis 1 : 10 000 eingesetzt werden. Wenn die zu untersuchenden Biotope jedoch für den Naturschutz relevant sind, dürfen bestimmte Mindestgrößen auch unterschritten werden. Es gibt auch die Möglichkeit, Flächen als Punktbiotope zu erfassen. Gleichartige Punktbiotope in enger Nachbarschaft, innerhalb des kartierten Flächenbiotops, werden dann als Punktwolke erfasst.

Analog verhält es sich mit Flächen, die schmaler als 10 m und mindestens 30 m lang sind. Diese werden als Linienbiotope erfasst und können, wenn sie aneinander angrenzen und dem gleichen Biotoptyp angehören, zu einem Liniennetz zusammengefasst werden. In beiden Fällen wird jeweils eine Erfassungsnummer angegeben.

Viele Biotopcodes sind zudem nur als Zusatzbiotope verwendbar. Zusatzbiotope sind, in diesem Zusammenhang, zusätzlich mögliche Biotoptypen, die auf die volle räumliche Ausdehnung der Fläche des Hauptbiotops zutreffen können. Biotope, die begleitend und nur kleinteilig vorkommen, treffen, im Gegensatz zu Zusatzbiotopen, nicht für die volle räumliche Ausdehnung des Hauptbiotops zu und werden als Begleitbiotope bezeichnet.

 

Erfassung und Darstellung:

Bei der Kartierung bilden topografische Karten oder Vermessungspläne die Grundlage. Darüber hinaus werden die Ausschnitte der Kartierbereiche mit aktuellen Luftbildern abgeglichen um die Lage der Biotope genau abgrenzen zu können. Die erfassten Biotope werden dann auf der Arbeitskarte abgegrenzt und mit einer Erfassungsnummer versehen. Dabei muss die Nummerierung aller erfassten Biotope innerhalb eines Kartierungsprojektes einmalig sein. Die vergebenen Erfassungsnummern werden in einer Erfassungs-Liste geführt und bei der Digitalisierung der Arbeitskarte ins GIS übernommen, sodass die Informationen von alles GIS- Nutzern einsehbar sind.

Eine mehrfarbige Biotopdarstellung ist sinnvoll, um abzugrenzende Flächen eindeutig zu unterscheiden. Die Informationen der Biotope, die für den Naturschutz relevant sind, werden dabei nicht nur in Listen, sondern auch in Geländekartierungsbögen eingetragen.

 

Umgang mit dem Geländekartierungsbogen

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Geländekartierungsbogen (Erstellt von: Dr. H. Köstler, Büro Grabowski & Moeck)

Der Geländekartierungsbogen wird während der Geländearbeit ausgefüllt. Wichtig ist hierbei die Lesbarkeit der eingetragenen Informationen, da das Ausfüllen des Bogens und die Dateneingabe oft arbeitsteilig ablaufen.

Auf dem Bogen wird zunächst der geografische Eigenname des kartierten Gebiets angegeben. Unter ‚Beschreibung‘ gibt man den Biotopnamen sowie eine kurze Charakteristik des Biotops an. Nicht auskartierbare Begleitbiotope werden mittels eines Codes eingetragen und können gegebenenfalls näher beschrieben werden. Weiterhin müssen die Projekt- und Erfassungsnummer, als auch die Maßstabsbezeichnung festgehalten werden. Sinnvoll ist es dabei, die Geländekartierungsbögen durchlaufend zu nummerieren.

Der Biotoptyp wird ausführlich beschrieben, wobei Angaben zur Zuordnung, sowie Ausprägung und Schutzstatus des Biotops gemacht werden. Es wird zwischen Flächen- , Linien- und Punkttyp unterschieden und der jeweilige Zifferncode angegeben. Zudem wird die Ausbildung des Biotops beurteilt und falls es sich um ein Naturschutzgebiet, zum Beispiel einen Natura-2000-Lebensraumtyp handelt, dann wird auch der jeweilige Code und Erhaltungszustand angegeben.

Die einzutragenden Standorteigenschaften umfassen die Himmelsrichtung, Reliefsituation, Hangneigung in Grad, erkennbare Besonderheiten der Bodenverhältnisse und hydrologische Beobachtungen. Es ist manchmal sinnvoll Vegetationsaufnahmen anzufertigen und die Flächenbedeckung für jede Vegetationsschicht in Prozentanteilen der Gesamtfläche anzugeben. Bezogen auf Flora und Fauna werden typische, bemerkenswerte oder der Roten Liste angehörende Arten angegeben. Eine komplette Erfassung der Flora und Fauna übersteigt jedoch den Rahmen einer Biotopkartierung. Schließlich werden auch noch Informationen zum Kartierer und zur Durchführung ergänzt.

 

Beispiel: Kartierungshinweise für Fließgewässer

Der Lebensraumtyp Fließgewässer kann sowohl Abschnitte planarer als auch montaner Stufe umfassen. In beiden Fällen ist eine flutende Wasservegetation vorhanden. Nicht nur natürliche Fließgewässer wie Bäche oder Flüsse, sondern auch durchströmte Altarme und naturnahe fließende Gräben sind diesem Lebensraumtyp zuzuordnen.

Bei der Kartierung ist es sinnvoll, ganze Abschnitte einer Wasserpflanzenvegetation von vegetationsfreien Flächen abzugrenzen, da Erstere meist nur kleinflächig vorkommt und somit punktgenaues Aufnehmen nicht erforderlich ist. Außerdem gilt es, aufgrund der Natura-2000 Gebietsmeldung, das Ufer mitsamt Ufervegetation in die Kartierung einzuschließen. Kommen gewässerbegleitende Gehölze vor, könnten diese gegebenenfalls den Lebensraumtypen Eichen-Ulmen-Eschen-Auenwälder , Erlen-Eschenwälder oder Weichholzauenwälder zugeordnet werden. Gewässerbegleitende Kies- und Schlammflächen sind bei entsprechend vorhandener Vegetation als eigene Lebensraumtypen zu erfassen.

 

Eine ausführliche Kartieranleitung finden Sie unter folgendem Link:

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/biotopschutz/download/biotopkartierung/kartieranleitung.pdf

https://www.bfn.de/0316_typ3260.html

(letzter Zugriff: 20. Juni 2015, ca. 20.15 Uhr)

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